LARP Inspiration: 5 Gründe zum NSC sein

Auf Teilzeithelden gab es vor einer Weile eine Umfrage, zu welchen LARP Themen die Leser gern mehr lesen würden. Dort schlug jemand in den Kommentaren vor, mal über Gründe zu schreiben, warum man NSC spielen sollte. Ich klaue mir jetzt mal ganz dreist diese Idee und erzähle euch, warum ich schon öfter mal NSC war.

Für alle die sich jetzt fragen, was zur Hölle denn ein NSC ist, hier noch kurz ein paar Infos dazu:

Was ist ein NSC?

Auf LARPs wird zwischen SCs = Spielercharakteren und NSCs = Nichtspielercharakteren unterschieden. Wenn man als Spieler auf ein LARP geht, baut man sich einen Charakter (oder hat schon einen) und der hat dann seine eigene Geschichte, Pläne und Motivation. Als NSC bekommt man von den Organisatoren eine Rolle zugewiesen und hat meist Dinge, die man erledigen soll. Um es auf die Welt der Computerspiele zu übertragen: NSCs sind die Leute mit dem Ausrufezeichen über dem Kopf, die einem was zu tun geben oder auch die Leute, die da so rumlaufen und die Welt beleben.

So wie ich es meist erlebt habe, wird oft zwischen diesen Arten von NSC unterschieden:

1) Springer

Springer NSCs schlüpfen während eines Spiels häufiger in unterschiedlichen Rollen, welche nur für begrenzte Zeit gebraucht werden. Entweder die Charaktere sind nur kurz da oder es sind Gegner, die vermutlich nach kurzer Zeit sterben werden.

Wir brauchen heute Abend 10 Leute, die als Zombies die Spieler angreifen.

2) Festrollen

Wie der Name schon sagt, bekommt man eine feste Rolle zugewiesen, die man dann die meiste Zeit über spielt. Das kann zum Beispiel der Baron sein, der zum Turnier einlädt, eine seiner Wachen oder eine Schankmaid, die den ganzen Tag am Tresen steht.

3) Der Incognito NSC

Da manchmal Spieler NSC anders behandeln als andere Spieler (ob sie es mit Absicht tun oder nicht) kann es manchmal auch hilfreich sein, sich als Incognito NSC unter die Spieler zu mischen.

LARP Inspiration Meine Gründe NSC zu sein

Alles klar soweit? Warum soll man also auf ein Spiel gehen, wenn man gar nicht machen kann, was man will? Hier meine persönliche Gründe dafür:

Warum als NSC zum LARP?

1) Ich möchte etwas zurück geben

Ganz banal: Ohne NSCs keine CON (höchstens Ambientespiel). Da ich möchte, dass weiterhin Spiele statt finden, mache ich mit.

2) Ich bekomme endlich mal mit, was der Plot soll

Manchmal hat man nach einem Spiel das Gefühl, dass der Plot so komplex war, dass man nicht alles mitbekommen und verstanden hat. Für NSCs gibt es meist eine NSC Besprechung im Vorraus und man weiß, was die Geschichte ist, die die Organisatoren planen. Es kann echt spannend sein, mal auf der anderen Seite zu stehen.

3) Ich habe Bock auf ein Spiel, aber keinen passenden Charakter

Manchmal klingt das Konzept eines Spiels toll, aber man hat einfach keinen Charakter der dazu passt. Und bevor ich mir jetzt einen Einweg-Charakter mache, den ich nie wieder spiele, mach ich lieber einen NSC.

Bildquelle: LarpBote.de

4) Ich kann Rollen spielen, die sonst nicht möglich wären

Manche Rollen würden bei der Orga nie als Spielercharakter abgesegnet werden. Zum Beispiel der Spinnen-Dämon in Menschengestalt, der seine Opfer vergiftet. Oder die (von allen gehassten) Feen, die quasi nicht tot zu bekommen sind und super mächtige Magie haben. Hab ich beides schon als NSC gespielt.

5) Ich soll Rollen spielen, die ich sonst nicht spielen würde

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber es gibt Rollen, auf die ich von allein nicht kommen würde. Oder für die ich zu sehr ein Schisser bin. Wie zum Beispiel ein Mitglied einer Diebesbande, die die Kasse eines Barons stehlen soll. Das hätte ich von alleine nicht gebracht, aber wenn die Orga sagt, ich soll das tun… Manchmal brauche ich da einen kleinen Schubs ins kalte Wasser. Und ich sag euch, gerade in der Rolle, hatte ich so verdammt viel Spaß! Einfach weil riskant und aufregend war, aber es hat funktioniert!

Was ich damit sagen will: Auch als NSC kann man eine Menge Spaß haben! Also sucht euch eine Orga eures Vertrauens und helft ihr hin und wieder aus. (Und was man als Orga tun kann, damit NSCs gern zu einem kommen, kann ich auch noch mal in einem Beitrag schreiben).

Seid ihr ab und zu mal NSCs? Was sind eure Erfahrungen damit?

9 Gedanken zu „LARP Inspiration: 5 Gründe zum NSC sein

  • 5. Februar 2017 um 08:18
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    Ein sehr schöner Beitrag!
    Wenn ich meine Con-Statistik anschaue (ja, ich führe eine – bei inzwischen über 100 Cons würde ich sonst welche vergessen, das wäre schade), war ich ungefähr auf einem Drittel meiner Cons NSC (mehr, wenn man die Cons rausrechnet, auf denen es gar keine NSCs gab). Und es macht immer wieder Spaß!

    Mir fallen übrigens noch mehr Gründe ein:
    – Man kommt nie so viel zum Kämpfen wie als NSC! Vorausgesetzt, man ist Kampf-NSC, natürlich ;) mal ehrlich, ganz viele Leute wollen gerne viel kämpfen, aber als SC ist die Zeit begrenzt. Erstens wollen andere Leute auch kämpfen und i.d.R. gibts mehr SCs als NSCs, und zweitens ist man irgendwann raus und marschiert zum Heiler, dann ist der Kampf vorbei. Als NSC kann man wiederkommen und weiterkämpfen. Und wiederkommen und weiterkämpfen.
    – Man kann Rollen spielen, die perfekt in ein Setting eingebettet sind. Als SC ist man i.d.R. ein Fremder (es sei denn, man besucht Cons der eigenen Landes-Orga, aber ich habe meine Landesorga immer als NSC unterstützt).
    – Manchmal gibt es richtig coole Szenen, die man als SC so nicht haben könnte (entweder passen sie genau ins Setting und wären mit einer anderen Rolle nicht möglich oder sie sind gleich gescriptet).

    Eine meiner immersivsten Spielmomente hatte ich übrigens als NSC: Wir waren mit ca. 20 Mann in einer Burgschenke als „Besetzer“ der Burg und haben eigentlich auf die SC gewartet (es war der Spielbeginn am Freitagabend). Weil die erstmal nicht kamen, haben wir Spiele, Liederbücher etc. ausgepackt und uns IT die Zeit vertrieben, was man halt so macht in einer Schenke. Die Spieler haben sich wirklich SEHR viel Zeit gelassen und kamen ungefähr 2 Stunden (!) später als erwartet – bis dahin waren wir völlig im Spiel vertieft und hatten schon längst vergessen, dass wir NSC sind! Die SC kamen dann auch noch durch einen anderen Eingang als erwartet, haben alle niedergemetztelt und ich war _wirklich_ überrascht, obwohl ich ja den Plan der Orga kannte – einfach großartig! :D

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    • 5. Februar 2017 um 17:26
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      Danke, das sind super Gründe um NSC zu sein! Mir persönlich ist das Kämpfen nicht so wichtig (ich bin auch nicht so gut darin). Aber es ist schon was anderes als NSC zu kämpfen, weil zumindest für Kampf NSCs es nicht so schlimm ist, wenn man stirbt, da die Rolle ja meist darauf ausgelegt ist.

      Ich finde das auch großartig, wenn man so in der Rolle drin ist. Ich war mal als Spieler in einem Gottesdienst in einem Tempel und irgendwann fiel mir dann auf „Moment, hast du dir gerade ernsthaft überlegt, was du zu dieser fiktiven Gottheit beten willst?“

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  • 5. Februar 2017 um 16:40
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    Der Blogpost ist interessant.

    Argumente 4 und 5 sind genau die, weswegen ich gerne NSC bin. Allerdings gehe ich nur als NSC zu Cons, wenn ich die Orga kenne. Leider habe ich zu häufig schon mitbekommen, dass NSC regelrecht „ausgenutzt“ werden (wenig bis keinen Schlaf bekommen, Schminkaufwändige Rollen ohne Duschen auf dem Platz…).

    Als NSC habe ich letztes Jahr das Glück gehabt und durfte mir selber die Ausstattung basteln für eine Rolle, die ich so sonst nie gespielt hätte und hatte über Wochen Spaß am Kostüm und auf dem Larp Spaß an der Rolle einer Najade.
    Als NSC hatte ich, wie Nria schon anmerkte, einige Szenen, die ich nie vergessen werde und die ich als SC so bitte erlebt hätte.

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    • 5. Februar 2017 um 17:23
      Permalink

      Ja, ich habe leider auch schon Geschichten gehört, wo NSCs nicht so gut behandelt worden sind (z.B. wurde Essensversorgung versprochen, aber nur spärlich geboten). Orgas sollten sich an ihre Ansagen halten. Und wenn absehbar ist, dass manche Dinge nicht optimal sein werden (wenig Schlaf, keine Duschen etc.) sollte man das als Orga zumindest im vor raus ankündigen, damit die NSCs wissen worauf sie sich einlassen. Ich denke auch, dass man „ausgenuzt werden“ am Besten vorbeugen kann, in dem man eine Orga wählt, die man kennt und der man vertraut.

      Die Gewandung der Najade habe ich teilweise schon auf deinem Blog gesehen. Das sah wirklich so aus, als wenn das Basteln und Spielen Spaß gemacht hat :)

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  • 5. Februar 2017 um 18:15
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    Ich war noch nie bei einem LARP (leider). Kenne Rollenspiele aber zumindest vom Tabletop (Midgard).
    Was passiert, wenn sich der NSC nicht so ganz an die Vorgaben hält? Z.B. einen der Charaktere abmurkst, eine Kneipenschlägerei anzettelt oder irgendwie für Ablenkung sorgt, die so nicht geplant war. Passen sich das Spiel dann an oder wird man einfach nur „entfernt? ;)

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    • 5. Februar 2017 um 19:17
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      Haha, gute Frage! Es kommt natürlich darauf an, wie gravieren der NSC von den Vorgaben abweicht.

      Wenn das „nicht geplante Verhalten“ zu dem Charakter passt und im Spiel einen plausiblen Grund hat, ist das meist kein Problem.

      Generell ist ein LARP ja kein Theaterstück bei dem exakt vorgeben ist, was wann zu passieren hat. „Um Punkt 12 stehst du dort und haust dem Typen eins über die Rübe“ oder so. So exakt ist ein Spiel kaum planbar. Das Ende eines Spiel ist meist auch offen und hängt von dem Handeln der Spieler ab. Es ist meist eher so, dass NSC ein Ziel vorgeben bekommen wie „Im Dorf befindet sich noch ein alter Widersacher von dir, an dem du dich Rächen willst. Du hast kannst dich ganz gut Prügeln und hier ist noch ein Knüppel“. Was sonst noch so passiert, kann der NSC dann selbst entscheiden, wie es zu seinem Charakter, der er bekommen hat, passt. Es kann natürlich passieren, dass unser NSC aber beschließt lieber gemütlich sein Bier zu trinken, weil ihm ein paar Spieler ein paar Gold in die Hand gedrückt haben, da sie den Widersacher mögen. Dann ist das halt so und für die Spieler ja auch gerade das tolle, weil sie das Geschehen ja dadurch beeinflussen können.

      Wenn das abweichende Verhalten viel durcheinander bringt, können die Organisatoren während des Spiel unauffällig eingreifen. Zum Beispiel in dem sie sich den entsprechenden NSC mal unter vier Augen schnappen und versuchen ob man noch was retten kann. Oder vielleicht noch mal andere NSC als Verstärkung schicken.

      Das sich jemand absichtlich nicht an seinen Vorgaben hält um Chaos zu stiften, habe ich bisher noch nicht erlebt. Wichtige NSC Rollen, werden meist an Leute vergeben, die die Organisatoren kennen und von denen sie wissen, dass sie nicht spontan irgendetwas seltsames tun.

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  • 6. Februar 2017 um 08:09
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    Einige Freunde von mir sind begeisterte LARPer, ich hab mich bisher noch nicht an so etwas rangetraut. Ich spiele lieber sowas wie Pen & Paper, das ist ja so ein bisschen was wie LARP für faule, haha!

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    • 8. Februar 2017 um 22:36
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      Hihi, „LARP für Faule“, stimmt schon irgendwie ;) Pen & Paper spiele ich auch und ich komme da auch viel öfter zu, weil es weniger aufwändig ist.

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  • 7. Februar 2017 um 00:13
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    Toller Beitrag. Ich habe letztes Jahr mit Larp angefangen, allerdings in einem Harry Potter Setting. Ich denke NSC’s sind wirklich kleine Helden des Larps. Bei uns haben einige feste NSC Rollen, welche sie mit so viel Enthusiasmus spielen. Sie machen die Story interessant und geben den Spielern auch andere Sichtweisen auf bestimmte Dinge. Ich selbst habe leider noch keinen NSC spielen können, werde es aber beim nächsten Larp definitiv in Betracht ziehen.

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